Planänderungen

Gespeichert von hcm am

Sonntag, 11. Juli 2021
Nach den Gesprächen mit den anderen Reisenden versuche ich noch am Samstag Abend so viel im Internet zur Corona-Situation in Ostafrika zu recherchiere, wie möglich. Aber aktuelle Informationen über Afrika sind prinzipiell dünn gesät. Offizielle Informationen fast gar nicht verfügbar. Aber die Einführung von verschiedenen Zonen und entsprechende Reisebeschränkungen für Privatautos, nicht für Tour Vehicles, zwischen den Zonen in Uganda und Kenia kann ich anhand von Regierungserklärungen offiziell verifizieren. Auch eine Information, wonach die Behörden in Sambia ihren Nachbarn Tansania als Hochrisikogebiet einstufen, bekomme ich offiziell bestätigt. Die Einreise nach Sambia aus Tansania gehe dann für Ungeimpfte nur mit und für Geimpfte ohne 14-tägige Quarantäne. Wenigstens eine gute Nachricht.

Ich kontaktiere einige Freunde und frage um Rat. Außerdem telefoniere ich mit meinem Vater um mich mit ihm über den weiteren Verlauf der Reise zu beraten. Die vielen neuen Informationen geben mir doch schwer zu denken. Auch die weiten Fahrstrecken alleine machen mir zu schaffen. Inzwischen ist klar, dass mich mein Vater aus gesundheitlichen Gründen nicht in Ostafrika begleiten werden wird. Die Nacht verläuft entsetzlich unruhig. Mir gehen so viele Dinge durch den Kopf und ich kann fast nicht schlafen. Das Abwägen der vielen Fürs und Widers will einfach nicht klappen.

Das (vorübergehende) Auslassen von Malawi, Zimbabwe und Ruanda, aufgrund der für Touristen geschlossenen Landesgrenzen, habe ich inzwischen soweit abgehakt. Eventuell gibt es noch eine Änderung der Bestimmungen bis zu meiner Rückreise und wenn nicht, dann eben nicht.

Löwenzahn ähnliche Blume

Die meisten Gedanken mache ich mir über die Reisebeschränkungen innerhalb von Uganda und Kenia. Natürlich gilt auch dort das berühmte TIA. "This Is Africa" - es ist in Afrika prinzipiell nichts unmöglich und alles ist irgendwie machbar. Das ist auch richtig. Dazu meinte ein anderer Reisender: angesichts des Aussehens meines Autos, das gut als Tour Vehicle durchgehen könnte, würde an den Straßensperren - typisch Afrika - keiner so genau schauen.

Aber mit Offiziellen zu verhandeln und eventuell deren Korruptheit zu meinem Vorteil zu nutzen, traue ich mich in diesen, für mich unbekannten Ländern, dann doch nicht. Denn auch so etwas kann natürlich als willkommener Anlass gegen mich genutzt werden. Vielleicht bin ich da zu zimperlich, aber ich habe als einzelne Person wenige Chancen und bei Repressalien noch nicht mal einen Zeugen auf meiner Seite. Schließlich besteht dann leider auch noch das Risiko, bei weiteren Verschärfungen die Länder nicht mehr verlassen zu können.

Aber auf der anderen Seite würde ich eine Menge toller Abenteuer verpassen und Orte nicht besuchen, die einen ungeheuren Namen tragen. Eine Begegnung mit den Berggorillas in Uganda, die Flamingoschwärme am Natronsee, Mount Kenia und den Kilimandscharo, die Serengeti und den Ngorongoro Krater, die berühmten Amboseli,  Tsavo East und Tsavo West Nationalparks. Und noch einiges mehr.

Mond mit Wolken.

Der Morgen graut und ich muss eine Entscheidung treffen. Ich mache eine letzte Recherche zu den Reparaturmöglichkeiten für meinen Stoßdämpfer in Tansanias Hauptstadt Dodoma. Da stellt sich heraus, dass der Hersteller in Afrika nur wenige Niederlassungen mit entsprechendem Lager betreibt. Und ausgerechnet keine in Tansania, sondern nur in Kenia, nämlich in der Hauptstadt Nairobi. Aber This Is Africa und der Hersteller wird schon ein Ersatzbauteil irgendwie nach Dodoma bringen.

Es ist sieben Uhr und der Zeitpunkt für den Aufbruch zur Grenze ist gekommen. Ich entscheide mich schließlich fürs Umkehren. Ich kneife vor dem Unbekannten, den Unannehmlichkeiten und auch ein wenig vor dem absichtlichen Überstrapazieren der Gesetze. Persönlich habe ich ziemlich Probleme mit korrupten Offiziellen, weil man nie weiß woran man eigentlich gerade ist. Und so etwas kann ich eigentlich gar nicht abhaben. Außerdem ist Ostafrika politisch noch relativ stabil und die Ziele sind auch später einzeln oder mit einer Reisegesellschaft gut zu machen.

Große Gänseblümchen.

 

Nachdem ich also heute den Grenzübergang nach Tansania nicht unternehmen werde, gönne ich mir einen Ruhetag auf dem Campingplatz und studiere den ganzen Tag über Landkarten zu möglichen Alternativplänen.

 

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