Donnerstag, 19. August 2021
Fahrt über die C22 und die C42 nach Grootfontein. Dort wird getankt, und ich besorge mir noch Nachschub für die Vorräte. Dann geht es weiter auf der C42 über Tsumeb und der C38 zum Von Lindquist Gate des Etosha Nationalparks. Gegen 3 Uhr komme ich im Camp Namutoni an. Die Anmeldung und Bezahlung gehen sehr schnell. Ein Aufenthalt in den Nationalparks außerhalb der Camps ist nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang erlaubt. Der Sonnenuntergang ist heute um 18:40 und die Rückkehr ins Camp muss spätestens bis 18:45 Uhr erfolgen.
Ich starte noch eine Runde um die östlich gelegene Fischer's Pan. Die Landschaft ist sehr offen. Die Pfanne ist eine riesige, flache Ebene mit nur minimalen Höhenschwankungen. An einigen Stellen steht sogar noch Wasser. Aber der Großteil der Pfanne ist ausgetrocknet und besteht aus steinhart gewordenem und schollenförmig gerissenem Lehm. Die Spuren von Tieren sind sehr gut im Lehm erkennbar, die sie gemacht haben müssen, als der Lehm noch nicht ganz getrocknet war. Und tatsächlich gibt es sogar noch Stellen, die oberflächlich getrocknet, aber darunter noch feucht sind. An einer solchen Stelle sehe ich einen Schakal, der beim Drüberlaufen immer wieder durch die oberste trockene Schicht bricht und so eine deutliche Spur auf dem Material hinterlässt. Er quält sich sehr, vorwärts zu kommen.
Ich fahre sehr langsam und sehe unerwartet viele Tiere. Zebras und Gnus, mehrere Gruppen von Giraffen, einen Elefanten, Warzenschweine. Viele Springböcke und Impalas. Einen Greifvogel und erstaunlich viele Riesentrappen. Strauße, Bienenfresser und einige kleinere Vögel. Erdhörnchen und Mangusten.
Dann fahre ich den nordwestlich von Fischer's Pan gelegenen Pan Edge Drive entlang. Er führt ganz nahe an die eigentliche Etosha Salzpfanne. Es ist bereits kurz nach 18 Uhr und die Sonne steht schon recht tief. Ich sehe dort nur sehr wenige Tiere. Aber am Punkt, der der Etoshapfanne am nächsten kommt, geht es eine kleine Anhöhe hinauf. Und dort oben steht ein Breitmaulnashorn im abendlichen Gegenlicht. Ein weißes Nashorn oder white rhino. Sie sind typische Grasfresser und können bis zu drei Tonnen auf die Waage bringen. Das Tier ist etwa 25 Meter von mir entfernt. Der Wind steht für mich günstig. Aber es hat mich natürlich schon gesehen und gehört. Seine Ohren bewegen sich ständig. Ich bin vorsichtig und setze ein Stück zurück. Das Nashorn bleibt friedlich und läuft ganz gemächlich an mir vorbei und in Richtung Pfanne.
Bevor ich wieder ins Camp zurückfahre, mache ich noch einen kurzen Abstecher zu den beiden nahe gelegenen natürlichen Wasserlöchern Groot Okevi und Klein Okevi. Dort sind aber keine Tiere zu sehen. Das Camp ist im Vergleich zu Savuti und Linyanti sehr voll. Vor allem die Campingplätze sind fast alle belegt. Es ist entsetzlich.
Freitag, 20. August 2021
Fahrt zum natürlichen Wasserloch Koinachas, ganz in der Nähe von Camp Namutoni. Dort gibt es aber leider nichts zu sehen. Auf unserer Familienreise 1995 hatten wir hier enormes Glück. Für kurze Zeit hatten wir damals hier einen Leoparden vorbeilaufen sehen. Dank der damals gerade aufkommenden Kameras mit Autofokus haben wir sogar ein Dia davon.
Auf dem Weg zum nächsten natürlichen Wasserloch Chudop sehe ich einige Springböcke und bleibe stehen. Der Motor tuckert im Leerlauf leise vor sich hin. Kein anderer Wagen in der Nähe. Da trabt langsam und zunächst unbemerkt ein kleines Zebrafohlen von vorne links in Richtung zu meinem Auto. Als ich es sehe, ist es vielleicht noch 20 Meter vor meinem Auto. Es ist noch sehr jung, und untypischerweise kein Elterntier in der Nähe. Das ist schlecht. Sehr schlecht. Denn ein einsames kleines Zebra hat hier absolut keine Überlebenschancen. Es kommt direkt auf das Auto zu. Es trabt ganz langsam und scheint mit seinen Kräften am Ende zu sein. Ganz in der Ferne sehe ich etwas Bewegung und mit dem guten Feldstecher ein paar Zebras im Busch verschwinden. Das Kleine hat nun fast das Auto erreicht und wiehert nach seiner Mama. Dann kommt es ganz nahe an die vordere, schwarze Stoßstange und berührt diese mit der Schnauze. Es steht nun direkt vor dem Auto. Es ist noch so klein, dass ich vom Fahrersitz aus nur die Mähne sehen kann. Aber in der Frontkamera sehe ich, dass es wirklich an der Stoßstange lehnt. Und es scheint zu schlafen, denn es macht für etwa fünf Minuten die Augen zu. Ich lass den Motor laufen.
Beim weiten Hinauslehnen aus der Fahrertür, kann ich es etwas besser sehen. Es steht mit der Schnauze zur Beifahrerseite und schläft. Dann schalte ich den Motor ab. Innerhalb eines Nationalparks sind die beiden vorderen Fenster bei mir immer offen. Nach einiger Zeit kommt von hinten ein anderes Auto mit relativ hoher Geschwindigkeit angefahren und fährt vorbei. Das kleine Zebra hat scheinbar Angst bekommen und sich mit seiner Schnauze zur Fahrerseite gedreht und drückt sich fest an die Stoßstange seines neuen silbernen Freundes. Als der andere Wagen außer Sichtweite ist, trottet es langsam zur Fahrertür. Ganz nahe und schaut mich an. Ich muss mich schon ungemein zurückhalten, um das süße Zebrababy mit der aufrecht stehenden Mähne nicht zu streicheln.
Dann läuft es langsam weiter Richtung Hinterrad und sucht nach einer Möglichkeit zu trinken. Ich lasse den Motor wieder an und fahre ganz langsam los. Das Zebrafohlen folgt seinem metallenen Freund und läuft links neben dem Auto her. Ich suche auf der Karte nach dem kürzesten Weg zu einem Wasserloch. Das liegt etwa einen Kilometer geradeaus. Ich lasse den Wagen mit Standgas rollen, denn das Tierchen wird immer langsamer. Ich rolle vielleicht 50 Meter voraus und bleibe dann stehen. Ganz langsam kommt das Zebra nach. Es kommt wieder bis zum Auto, diesmal auf der Beifahrerseite, und sucht am Hinterrad wieder zum Trinken. Dann bleibt es neben dem Auto in dessen Schatten stehen. Zum Glück sind es draußen trotz intensiver Sonne nur 20 °C. Ich warte ein paar Minuten. Die tun dem Kleinen wohl Not.
Nur wenn es von selbst bis zum Wasserloch läuft, hat es eine Überlebenschance. Und diese Wegstrecke darf nicht zu lange dauern, denn es scheint immer mehr seiner Kräfte zu verlieren. Ich beginne erneut langsam zu rollen und das Kleine folgt mir wieder, aber langsam. Wann immer ich die Distanz zwischen dem Auto und unserem neuen Schützling für zu groß halte, bleibe ich stehen. Wir passieren eine Gruppe von Springböcken. Das Fohlen schafft es wieder bis zum Auto. Die Springböcke scheinen es nicht zu interessieren oder zu stören. Das Kleine tut mir wirklich leid. Ich rolle wieder etwas voraus. Und es folgt mir weiterhin. Doch dann kann ich es im Rückspiegel plötzlich nicht mehr sehen. Ich schaue aus dem Fenster und sehe es nicht. Das kann doch nicht sein. Für das menschliche Auge ist ein Zebra nicht so gut getarnt wie beispielsweise für ein Löwenauge, das fast nur schwarz-weiß sehen kann. Der Weg macht auch nur eine kleine Biegung. Und ich habe nirgendwo Raubtiere gesehen. Aber vielleicht waren die einfach zu gut getarnt oder zu schnell. Meine Anwesenheit hat für kurze Zeit der Natur ins Handwerk gepfuscht, ansonsten ist das Schicksal in dieser Wildnis unerbittlich. Denn die Natur kennt kein Mitgefühl, sie ist nicht süß oder lieb oder warmherzig oder nachgiebig, sondern nur eines, nämlich konsequent beim Durchsetzen ihrer Regeln. Und das wird unsere Spezies angesichts der dramatischen Überbevölkerung auch eines Tages miterleben müssen. Corona war mit Sicherheit nur ein weiterer Testlauf der Natur, um ein Werkzeug zu finden, die natürliche Auslese bei uns Menschen wiederherzustellen.
Ganz langsam rolle ich weiter. Und dann sehe ich im Rückspiegel eine Bewegung. Da läuft mein neues Ziehkind neben der Piste hinter einem Busch hervor. Es folgt mir noch immer. Ich bin nur noch vielleicht 200 m vom Wasserloch entfernt. Das Kleine trottet nur noch sehr, sehr langsam. Ich komme am Wasserloch an. Hier ist alles voller Tiere. Springböcke, Impalas, Zebras. Kudus und ein paar Giraffen erscheinen im Hintergrund. Ich bin kurz etwas abgelenkt, um die Körpersprache der Tiere zu interpretieren. Dann stelle ich mich etwa 10 m entfernt ans Wasserloch. Etwas unkonzentriert aufgrund der Fülle an Tieren bemerke ich erst recht spät, wie mein Schützling herantrabt und in dem unglaublichen Gewusel von ankommenden und weggehenden Tieren seine Mama oder vielleicht auch eine Tante findet. Auf jeden Fall steht es neben einem großen Zebra und säugt.
Die Giraffen kommen sehr zögerlich aus dem Busch auf die offene Fläche um das Wasserloch. Sie bleiben ständig stehen und begutachten die Situation. Eine kleine Giraffe ist auch darunter. Gleichzeitig wandern ständig neue Zebras und Impalas heran und andere verlassen in einem langen Zug den Ort wieder. Die Kudus haben sich zwischenzeitlich ans Wasserloch herangewagt. Als die erste Giraffe endlich das Wasser erreicht und zu trinken beginnt, erscheinen ganz weit im Hintergrund auf der gegenüberliegenden Seite meines Standpunkts auch Elefanten. Die aber bleiben zunächst recht lange dort stehen. Und bewegen sich erst dann langsam auf das Wasserloch zu. Allmählich nimmt die Tierdichte ab. Die Elefanten sind ebenfalls sehr vorsichtig und tasten sich heran. Noch lassen sich die Giraffen kaum stören. Die letzte Giraffe trinkt noch am Wasserloch als die ersten drei Elefanten bereits am Wasser sind und ebenfalls trinken. Die beiden verbleibenden Elefanten erreichen das Wasser. Jetzt wird es der Giraffe aber doch zu bunt und sie trabt davon. Der erste Elefant ist mit Trinken fertig und kommt auf meine Seite des Wasserlochs. Er ist sehr langsam und bedächtig. Er beäugt lange die beiden Autos. Man kann ihre Kommunikation per sehr tiefer Töne wahrnehmen. Dann beginnt er sich Wasser auf den Rücken zu spritzen. Gleiches tut ein zweiter Elefant. Als der dritte, eindeutig ein Teenager, kommt und ungestüm in Richtung der Autos läuft, wird es etwas brenzlig. Er beginnt Terror zu veranstalten, indem er deutliche Drohgebärden macht. Da die anderen Elefanten weiterhin ruhig bleiben und sich nicht einmischen, scheint es sich nur um ein Spiel zu handeln.
Ich fahre weiter zu dem künstlichen Wasserloch Kalkheuwel. Wieder einige Zebras und Impalas. Dort treffe ich ein Ehepaar aus Rosenheim. Sie haben sich vor Ort ein Auto zugelegt und sind ebenfalls schon seit einigen Monaten in Südafrika und Namibia unterwegs, wollen nun Richtung Botswana und sind sich unschlüssig über die Route. Wir tauschen wichtige Informationen aus.
Dann begebe ich mich auf die lange Nebenstraße zum natürlichen Wasserloch bei Okerfontein. Zunächst ist das Gelände noch von gelb blühenden Dornbüschen bewachsen, an denen Giraffen fressen. Mehrmals auf der Strecke treffe ich auf sehr große Gruppen von Zebras. Darunter sehr viele Jungtiere. Und viele von ihnen stehen oft mitten auf der Straße. Irgendwie scheinen Zebras die Piste zu mögen. Denn wenn man mit dem Auto vorsichtig und langsam anrollt, gehen sie langsam und mehr oder weniger freiwillig aus dem Weg. Und kaum ist man vorbeigefahren, stehen sie hinter einem schon wieder auf der Piste.
Circa zwei Kilometer vor Okerfontein sehe ich eine erste Elefantengruppe im offenen Buschland. Es sind Junggesellen und sie haben zwei Teenager dabei. Zum Glück bleiben alle friedlich, auch wenn das Auto scheinbar das besondere Interesse der Teenies weckt. Beim Wasserloch von Okerfontein steht eine zweite große Elefantenfamilie mit mehreren Jungtieren. Ein Teil trinkt noch am Wasserloch, während ein anderer Teil der Gruppe in der Nähe genüsslich in einem Staubloch badet.
Am Ende der Nebenstrecke erreiche ich das Wasserloch Batia. Wobei der Begriff Wasserloch hier eher nicht stimmt. Denn die ganze Gegend ist durchzogen von Wasserpfützen und kleinen Seen. Überall zwischen den Gräsern glitzert das Wasser in der Sonne. In einigen der Pfützen schwimmen Enten. Das Wasser scheint sehr salzig zu sein, denn überall sehe ich Lehmschollen, die von einer dicken Salzkruste überzogen sind. Teilweise kristallisiert das Salz auch direkt aus.
Ich fahre zurück Richtung Namutoni und mache noch einen kurzen Halt in Ngobib. Das Gelände hier ist von gelb blühenden und noch blattlosen Dornenbüschen überzogen. Auf dem Weg sehe ich viele Giraffen, die auffallend schreckhaft sind. Sie fressen die kugelförmigen gelben Blüten der Dornbüsche und scheinen diese zu lieben. Die Blüten riechen beim Zerdrücken etwas süßlich. Da die Büsche vergleichsweise niedrig sind, halten die Tiere hier ihre Köpfe tief in den Büschen und sind so nicht so leicht zu entdecken wie sonst. Ngobib ist ein kleines natürliches Wasserloch, das aufgrund der umgebenden Felsen und Steine schwer zugänglich ist. Die Wasseroberfläche liegt sehr tief in einer Art von Höhle versteckt. Direkt am Wasserloch sehe ich nur zwei Impalas und ein Zebra. Aber in der direkten Umgebung ist es komplett voll von Zebras. Und wieder steht die Hälfte davon Mitten auf der Piste. Langsam läuft eine Gruppe von Impalas und Springböcken heran.
Nochmal unternehme ich die Fahrt nach Norden zum Punkt, wo die Straße die Pfanne berührt. Dort habe ich aber kein Glück. Außer Giraffen und einem männlichen Kudu sehe ich auf der Fahrt nichts. Am künstlichen Wasserloch Tsumcor trinkt ein alter Elefant. Dann biege ich nochmal in die Pan Edge Runde ein, allerdings in der entgegengesetzten Richtung von gestern. Dort halten sich heute relativ viele Elefanten auf. Wieder mit Babyelefanten. Es dauert bedenklich lange, bis auch der letzte Teenager das Feld räumt und mich vorbeifahren lässt. Die Sonne steht bereits sehr tief. Kurz vor Ende der Runde sieht der Wagen vor mir zwei Löffelhunde. Sie schauen interessiert, aber ducken sich vorsichtig. Leider fährt der Vorgänger zu schnell los und vertreibt die scheuen Tiere. Später erkenne ich noch einen kleinen Schakal über die Straße huschen.
Samstag, 21. August 2021
Ich besorge im Shop von Namutoni etwas Proviant und mache mich dann auf zum natürlichen Wasserloch Klein Namutoni. Dort ist allerdings kaum etwas los. So mache ich die Dik-Dik-Rundfahrt. Obwohl ich sehr langsam fahre, sehe ich überwiegend Vögel. Bei der Rückkehr zu Klein Namutoni trinkt dort eine Giraffe und eine Gruppe von Kudus. Dann breche ich auf Richtung Westen und nehme wieder die Nebenroute über Okerfontein. Ich sehe wieder viele Zebras, Springböcke, Impalas, einige Elefanten und Giraffen. Die Nebenroute mündet kurz vor Batia wieder auf die Hauptpiste.
Die Gegend zwischen den natürlichen Wasserlöchern Batia und Springbokfontein ist sumpfig. Ich finde viele Wasserlachen im Gelände. Aufgrund der überall hier vorherrschenden Salzkruste gehe ich davon aus, dass das Wasser salzig ist. Mitten auf dieser Hauptstraße nach Halali steht ein Auto und beobachtet zwei große Elefantenbullen rechts vor sich. Etwa 100 Meter entfernt sehe ich links neben mir eine interessante Entenart im Salzwasser herumpaddeln und bleibe stehen. In der Zwischenzeit ist ein zweites Auto an mir vorbeigefahren und hat sich neben den anderen Wagen gesellt. Die beiden Elefantenbullen scheinen friedlich neben der Straße zu grasen. Dabei reißen sie ganze Grasbüschel aus und klopfen sauber die anhaftende Erde ab bevor sie sie zum Mund führen. Der hintere der beiden Elefanten dreht sich langsam um und läuft auf die Piste. Aber nicht ohne mehrmals stehenzubleiben und weiter Grasbüschel zu rupfen. Ich fahre bis auf 10 Meter an die vor mir stehenden Autos heran. Ein viertes Auto kommt aus der anderen Richtung und bleibt einige Meter vor dem Geschehen stehen.
Der erste Elefant steht nun mitten auf der Piste und schaut ruhig in Richtung der drei Autos. Der zweite Elefant gesellt sich zu ihm. Es scheint, als wollten sie die Piste nur überqueren. Doch dann dreht sich der zweite Elefant zu uns um und läuft einige Schritte auf die drei Autos zu. Ich sehe, wie die beiden Wagen vor mir den Rückwärtsgang einlegen, aber noch immer auf der Bremse stehen. Keiner der beiden männlichen Elefanten ist ein aggressiver Teenager und beide sind nicht in der Mast. Das macht die gesamte Situation recht gut beherrschbar. Aber dann läuft der erste Elefant ebenfalls auf die Autos zu und passiert dabei den anderen. Dann bewegt er erregt die Ohren und schüttelt heftig den Kopf. Und bleibt kurz regungslos stehen. Das ist das eindeutige Warnzeichen an seine Opponenten, besser sofort das Feld zu räumen. Ich rolle einige Meter zurück, um den beiden anderen Autos vor mir Platz zu geben. Dann erhebt der zweite Elefant den Rüssel und läuft ebenfalls los. Beide Autos setzen zurück. Genau das ist das richtige Signal an die Dickhäuter, dass man keinen Ärger will. Die beiden Elefanten treiben uns drei Autos im Rückwärtsgang vielleicht dreißig Meter vor sich her. Dann drehen die beiden Dickhäuter von der Piste ab und folgen ihren gewohnten Wanderwegen in den Busch. Die Situation ist überstanden.
Ich fahre die Hauptstrecke weiter. Allerdings ohne besondere Beobachtungen. Um etwa drei Uhr komme ich am Abzweig zum Etosha Lookout an. Der Lookout ist eine abgesteckte Route auf der gewaltigen Etosha Salzpfanne. Sie geht circa zwei Kilometer auf die offene Fläche der Pfanne und endet in einer Kehrschleife. Die Salzpfanne ist komplett eben und endet in nördlicher Blickrichtung überall am Horizont. Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel und trotzdem hat es dank des Windes nur circa 20 °C. Die Luft flimmert am Horizont. Im Feldstecher ist das Flimmern sogar sehr stark. An einer Stelle erkenne ich mit dem Feldstecher einen schwarzen Punkt mitten in diesem Nirgendwo. Von den Rangern weiß ich, dass das Strauße sind, die manchmal die endlose Ebene durchwandern.
Obwohl die Pfanne komplett eben ist, ist ihre Oberfläche nicht einheitlich, sondern besteht aus einzelnen Schollen von Salz. An einigen Stellen führen Tierspuren auf die Salzebene. Natürlich überwiegend in der Nähe des Pfannenrandes. Die Wildtiere liegen dann vor allem abends und nachts auf dem Boden und schlecken das Salz, um ihren Mineralhaushalt zu verbessern. Die Oberfläche der Salzpfanne hat eine interessante Färbung, die sich je nach Blickrichtung relativ zur Sonne verändert. In der einen Richtung ist es eine leicht grünliche Färbung, in der anderen ein sehr helles Beige.
Wegen des Windes ist es leider nicht still. Außer dem schwarzen Punkt ganz in der Ferne ist jetzt hier nichts. Es ist einsam. Hier bekommt man eine gute Vorstellung vom Ende der Welt. Und von der absoluten Kostbarkeit von Trinkwasser. Welches von einigen Unternehmen in Afrika und vor allem von Touristen viel zu gedankenlos im großen Stil verschwendet wird.
Kurz vor Sonnenuntergang treffe ich im Camp Halali ein. Ich begebe mich sofort zur dortigen Aussichtsplattform am künstlichen Wasserloch Moringa. Dort treffen sich gerade ein ausgewachsenes Spitzmaulnashorn und zwei Elefanten. Im direkten Größenvergleich erkennt man das Nashorn fast gar nicht. Die Elefanten sind geschätzt dreimal so groß. Heute gibt es einen wunderschönen, tiefroten Sonnenuntergang. Leider sind die Winkel von Sonne, Wasserloch und Aussichtsplattform nicht gut, so dass kein Bild von einem Elefanten in der untergehenden Sonne entsteht. Es bleibt ruhig am Wasserloch. Das Nashorn zieht nach einer viertel Stunde gemütlich davon, und auch die beiden Elefanten laufen kurz darauf in entgegengesetzter Richtung in den Busch. Danach findet sich erst einmal kein anderes Tier am Wasserloch ein. Dafür kommt mich auf der Plattform eine kleine Maus besuchen. Heute Nacht hat es fast Vollmond, und so ist der Mond zu hell und verhindert die uneingeschränkte Sicht auf den Sternenhimmel und die Milchstraße.
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