In der Antarktis

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Dienstag, 22.02.2022
In der Nacht ist unser Schiff bis in die Gerlach Passage vorgedrungen und ist dort dann bis in die Morgenstunden hinein gekreuzt. In dieser Passage kommen relativ wenige Eisberge vor, so dass die Nacht für die Brückenmannschaft nicht zu aufregend ist. Die Gerlach Passage liegt zwischen der Antarktischen Halbinsel und den Inseln Brabant und Anvers. Die Insel Anvers ist circa 2.000 km² groß und beheimatet den mit 2.822 m höchsten Berg der Gegend.

Cuverville Island

Cuverville Island ist eine felsige Insel vor der Danco-Küste des Grahamlands im Norden der Antarktischen Halbinsel. Sie liegt im Errera-Kanal 1,9 km westlich der Arctowski-Halbinsel und 0,5 km östlich des Nordteils der Rongé-Insel. Teilnehmer der Belgica-Expedition (1897–1899) unter der Leitung des belgischen Polarforschers Adrien de Gerlache de Gomery entdeckten sie. Gerlache benannte sie nach dem französischen Admiral und Politiker Jules de Cuverville (1834–1912), vormaliger Vorgesetzter des Geophysikers Georges Lecointe (1869–1929), der an dieser Forschungsreise beteiligt war. Cuverville Island ist unbewohnt. Im antarktischen Sommer ist sie häufig der Brutplatz einer großen Kolonie von Esels­pinguinen.  (aus Wikipedia)

Vor Cuverville Island machen wir Halt. Zum Ankern ist die Stelle mit 330 m Wasser unter dem Kiel zu tief. Das Schiff wird daher von der Brückenmannschaft manuell an Ort und Stelle gehalten. Die Außentemperatur beträgt 3 °C, die Wassertemperatur 2 °C. Der Luftdruck ist leicht auf 990 hPa gefallen, und es herrscht Windstärke 2. Unser erster Landausflug in antarktischen Gefilden steht unmittelbar bevor. Wir gehören innerhalb der ersten Gruppe zur letzten Farbe für die Anlandung an Cuverville Island. Bei allen Ausbootungen auf dieser Expedition müssen wir unsere Gummistiefel vor und nach der Tour in einer eigenen Stiefelwaschanlage reinigen und durch ein Desinfektionsbad laufen, um jede mögliche Einschleppung von Fremdorganismen in die Antarktis oder auch nur die Verteilung innerhalb der Antarktis zu verhindern.

Cuverville Island

Kaum sind die maximal möglichen acht Passagiere im Zodiac, geht es mit voller Fahrt los zur etwa einen halben Kilometer entfernten Anlandeposition auf der Insel. Der Uferbereich ist relativ flach und besteht fast ausschließlich aus runden Steinen und rund geschliffenen Felsen. Wir verlassen die Zodiacs mit einem behenden Hüftschwung über die Seitenwulst des Schlauchboots und stehen mit unseren Gummistiefeln im kalten, seichten Meerwasser. Wir besichtigen links und rechts der Anlandestelle die beiden Kolonien von Eselspinguinen. Die Vögel befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien: Elterntiere, Jungtiere und Tiere in der ersten Mauser. Ein Skua, eine Raubmövenart, hat sich ein Pinguinei geklaut, öffnet es und frisst den Inhalt.

SkuaEselspinguin
FuttersuchePinguin mit Küken

Die Insel ist überwiegend mit Schnee und Eis bedeckt, nur in Ufernähe und auf den Hügelkuppen kommen die Felsen hervor. Im Laufe unseres Besuchs fängt es auch noch an zu schneien. Überall im Schnee und auf den Felsen finden wir Hinterlassenschaften der Pinguine. Zwischen den beiden Koloniebereichen befinden sich mehrere Pinguin-Highways hinunter zum Ufer. Also Strecken, die von Pinguinen sehr bevorzugt - meist hintereinander im Gänsemarsch - genutzt werden. Sie watscheln, rennen oder rutschen auf dem Bauch und bewegen sich dabei mit ihren Zehen vorwärts. Die Highways sind von Pinguinhinterlassenschaften schmutzig und so leicht als solche zu erkennen. Natürlich gilt für uns Gäste: Vorfahrt haben die Pinguine und näher als 5 m dürfen wir uns den Tieren nicht nähern. Aber das hält natürlich den einen oder anderen neugierigen Pinguin nicht davon ab, mal einen dieser blau gekleideten Besucher aus der Nähe in Augenschein zu nehmen.

Eselspinguine

Der Eselspinguin ist eine Pinguin-Art in der Gattung der Langschwanzpinguine und am engsten mit dem Adéliepinguin sowie dem Zügelpinguin verwandt. Eselspinguine sind die schnellsten Schwimmer unter den Pinguinen, sie erreichen dabei bis zu 27 km/h, schwimmen aber durchschnittlich nur bis zu 6 km/h. Der Eselspinguin gilt auch als die scheueste bekannte Pinguinart. Seinen Namen hat er vom eselsartigen Geschrei, mit dem vor Eierdieben gewarnt wird und das auch während der Paarungszeit zu hören ist. Er erreicht eine durchschnittliche Lebenserwartung von 15 Jahren. 

Eselspinguine erreichen eine Körperlänge zwischen 75 und 90 Zentimeter. Sie sind damit mittelgroße Pinguine, nur der Kaiser- und der Königspinguin sind größer. Männchen und Weibchen unterscheiden sich im Äußeren kaum, allerdings sind die Weibchen tendenziell etwas kleiner. Das Gefieder zeigt keine jahreszeitlichen Unterschiede, Jungvögel können anhand ihres Gefieders bis zu einem Alter von einem Jahr von den adulten Vögeln unterschieden werden. Auffälligstes Merkmal des Eselspinguins ist der häufig dreieckige weiße Fleck oberhalb des Auges.

Die Kehle und der Kopf sind bis auf den weißen Fleck oberhalb des Auges schwarz. Der Fleck reicht in der Regel bis zum Scheitel und geht am unteren Ende in den weißen Augenring über. Einzelne weiße Federn finden sich auch am Kopf und am Nacken. Der Oberkörper ist ansonsten schwarzblau und wirkt kurz vor der Mauser, wenn das Gefieder sehr abgenutzt ist, bräunlich. Die Körperunterseite ist weiß und scharf zur schwarzen Kehle abgesetzt. Die zu Flossen umgestalteten Flügel sind auf der Unterseite weiß mit einem schwarzen Fleck am Ende. Der Schnabel ist an den Seiten orangerot. Die Oberfläche des Oberschnabels sowie die Schnabelspitze ist schwarz. Die Iris ist braun. Die Füße sind blass weißlich-rosa bis rot.

Eselspinguine sind zirkumpolar verbreitet und brüten auf sub-antarktischen Inseln und der Antarktischen Halbinsel. Grundsätzlich meiden sie die Packeiszone. Generell wird davon ausgegangen, dass sich adulte Eselspinguine ganzjährig in der Nähe ihrer Brutkolonien aufhalten. Eselspinguine ernähren sich vorwiegend von kleinen Fischen, Tintenfischen und Krill. Eselspinguine tauchen bis zu 212 Meter tief, die meisten Tauchgänge sind aber nicht tiefer als 110 Meter. Ihre natürlichen Fressfeinde im Wasser sind Großer Schwertwal, Seeleopard und große Exemplare anderer Robben. An Land haben erwachsene Eselspinguine keine Fressfeinde. Eier und Küken werden jedoch gelegentlich von Raubmöwen erbeutet. Die Brutkolonien der Eselspinguine liegen grundsätzlich auf eisfreiem Untergrund. Sie präferieren flache Küstenabschnitte und brüten häufig zwischen Grasbüscheln.

Die Brutzeit findet im Allgemeinen im September statt. Das Weibchen legt zwei Eier. Die Altvögel wechseln sich beim Brüten, das etwa 34 bis 36 Tage dauert, ab. Nach dem Schlüpfen bleiben die Küken ungefähr 30 Tage in ihren Nestern.   (aus Wikipedia)

Pinguin-HighwayEisberge und Pinguine

 

Eisberg

Nachdem wir mit den Zodiacs wieder zum Schiff zurückgekehrt sind, macht sich das Schiff zu unserem nächsten Haltepunkt Neko Harbour auf. Die Passage durch den Errera Kanal wird immer enger. Zu den immer häufiger werdenden treibenden Eisschollen gesellen sich nun immer größere Eisberge. Deren Anzahl und Imposantheit nimmt stetig zu. Die Form der Eisberge ist so vielfältig wie die Gesichter der Menschen an Bord. Wir kommen den Eisbergen sehr nahe und können dank des geringen Seegangs auch die Teile der Eisberge unterhalb der Wasseroberfläche erahnen oder sehen. Zum Teil erscheinen diese in wunderschönem hellen Türkis.

Immer wieder sehen wir einen besonders intensiv blauen Eisriesen mit tiefen Furchen und Spalten in seiner Oberfläche, die dann in wunderschönem Tiefblau leuchten. Diese Eisberge bestehen aus besonders kompaktem Eis, dem die üblichen Einschlüsse von winzigen Luftbläschen fehlen. Obwohl es stark bewölkt ist und die Sonne nicht durch die Wolkendecke kommt, liefern die Farbverläufe einmalige Photomotive. Wir nähern uns einer sehr engen Stelle der Passage und dann heißt es plötzlich "Eisberge voraus". Die Durchfahrt scheint von ihnen blockiert zu sein. Wir stehen am Bug. Ein starker, sehr kalter Wind bläst uns ins Gesicht. Obwohl die Außentemperatur noch über Null Grad liegt, ist die gefühlte Temperatur bei mindestens -10 °C. Der kalte Wind beißt an den wenigen exponierten Hautstellen. Bis wir der Enge sehr nahe gekommen sind, sind die Eisberge auseinander gedriftet, und das Schiff kann seine Fahrt ungehindert fortsetzen.

Trotz der bitteren Kälte und einsetzendem Graupel harren wir aus, denn der Anblick ist fantastisch, und die Eisberge haben uns tief in ihren Bann gezogen. Wir bewundern die vorbeiziehende pitoreske Landschaft und können gar nicht genug Bilder schießen. Die Felsen entlang der Passage ragen steil aus dem Meer heraus. Aufgrund des Nebels ist die Höhe der Berge nicht zu erkennen. Aber hier steigen die Gipfel der Inseln auf Steuerbordseite und die Berge des antarktischen Festlandes auf der Backbordseite innerhalb einer sehr kurzen Strecke von kaum einem Kilometer von Meereshöhe auf bis zu 2.800 m. Bei Sonne muss diese Durchfahrt einen überwältigenden Eindruck hinterlassen.

Wir jedenfalls sind begeistert. Vor dem Schiff kreuzt ein Buckelwal, der ein paar Mal anhand seiner Atemfontaine und der Schwanzflosse zu erkennen ist. Dann weitet sich die Durchfahrt wieder. Der Wind lässt nach, und das Meer wird wieder sehr ruhig. Wir nähern uns langsam unserem Ziel. Nach dem Mittagessen eilen wir auf den Balkon in unserem Zimmer und erleben einen unbeschreiblichen Übergang. Die Anzahl von kleineren Eisschollen nimmt immer weiter zu. Jetzt treffen wir immer wieder auf lang gezogene Flächen aus kleinen Eisschollen. Dann nimmt auch die Dichte der großen Eisschollen deutlich zu. Immer wieder zieht einer dieser großen Schollen an uns vorbei. Diese bizarr geformten Gebilde sehen nicht nur alle anders aus, sie sehen vor allem auch von allen Seiten anders aus. Immer wieder ist eine davon wunderschön blau gefärbt. Die Dichte dieser Schwimmkörper nimmt zu unserer großen Freude stetig zu, je weiter wir nach Süden vorstoßen. Schließlich rammt das Schiff die eine oder andere große Eisscholle lautstark.

Wir fahren vorbei an riesigen Gletschern, die bis zum Meer reichen und zig meterhohe Abbruchkanten bilden. Auch diese Kanten sind stellenweise blau gefärbt. Die Landschaft ist stark verschneit und vereist. Eigentlich müsste man aufgrund der durchgehenden Eisdecke hier wohl von einem Eisschild sprechen. In den an uns vorbeiziehenden Buchten ist die Dichte des schwimmenden Eises noch viel höher, und es sieht stellenweise wie eine geschlossenen Packeisschicht aus. In diese Buchten kalben ebenfalls gigantische Gletscher mit mächtigen Abbruchkanten. Manchmal hört man das bedrohliche Knacken, das dem Abbruch eines Teils des Gletschers vorausgeht. Die großen Bruchstücke zerfallen dann im Laufe der Zeit im Wasser durch den Wellengang und durch Zusammenstöße mit anderen Eisschollen immer weiter, bis aus einer kompakten Scholle ein viele hundert Quadratmeter großer Teppich aus kleinen Eisstückchen und Eisschollen geworden ist, die dann je nach Strömung zusammen oder auseinander getrieben werden.

Wir sehen nach vorne und erblicken immer mehr Eisberge, sehr viele Eisschollen und überhaupt eine dicht mit Eis bepackte Wasseroberfläche. Jetzt fühlt es sich an wie Antarktis.

Nach dieser wirklich aufregenden und auch erhebenden Passage erreichen wir schließlich unseren Halteplatz. Aufgrund der Wassertiefe von gut 400 m ist ein Ankern erneut nicht möglich. Auch hier in Neko Harbour in der Andvord Bucht gehören wir zur ersten Tour bei der zweiten Ausschiffung des Tages. Diesmal muss sich das Zodiac an einer ufernahen Stelle durch dichtes Treibeis kämpfen. Einfach hindurch - es ist wirklich erneut ein herrliches Abenteuer. Der Ausstieg aus dem Zodiac am stark steinigen Ufer erfolgt dank Gummistiefeln ganz unproblematisch einfach ins Wasser.

Unser Schiff im Rückblick

Neko Harbour

Der Neko Harbour ist eine kleine Bucht an der Danco-Küste des Grahamlands im Norden der Antarktischen Halbinsel, ein winziger Einschnitt im Osten der breiten Andvord-Bucht. Der Naturhafen wird von einem etwa 20 m hohen, felsigen Auswuchs aus rosafarbenem Granit gebildet, der über einen weiten Schneesattel mit dem Festland verbunden ist. Zwischen dem Gestein auf der einen und dem Eis der schroffenen Gletscherfront auf der anderen Buchtseite fand einst der Kapitän des norwegischen Schiffes Neko einen geschützten Ankerplatz, von dem man von 1911 bis 1924 auf Walfang ging.

Entdeckt und grob kartiert wurde die Bucht bei der Belgica-Expedition (1897–1899) unter der Leitung des belgischen Polarforschers Adrien de Gerlache de Gomery. Der Name der Bucht ist erstmals in einer Veröffentlichung des schottischen Geologen David Ferguson aus dem Jahr 1921 ent- halten, der dieses Gebiet 1913 erkundet hatte.

Etwa 1000 Eselspinguine haben sich den Felsen als Heimstätte für ihren Nachwuchs auserkoren. Auch die Dominikanermöven und Skuas brüten hier, doch ihre Gelege liegen weitaus versteckter. Anders als die Pinguine zeigen einem die Skuas unmissverständlich, wann man ihrem Zuhause zu nahe kommt – in Sturzflugattacken zielen sie auf den Kopf des Eindringlings - so wie mir das später in Südgeorgien tatsächlich passiert ist.  (aus Wikipedia) 

Wir betreten hier das erste Mal den wahren Kontinent Antarktis. Das Gelände ist bis auf einen unmittelbaren Küstenstreifen dick mit Schnee und Eis bedeckt. Nur wenige Felsen schauen hier und da hervor, und die sind dann von Pinguinen okkupiert. Links neben dem Anlandepunkt liegt eine solche Felsformation mit einer großen Kolonie von Eselspinguinen. Dahinter sieht man einen gewaltigen Gletscher, der steil zum Meer abfällt und mit einer großen Abbruchkante endet. Wir machen uns auf zu einer kleinen Bergwanderung entlang ausgewiesener Schneewege rechts unseres Anlandepunkts. Die Gegend ist aufgrund von verdeckten Gletscherspalten nicht ungefährlich. Auf unserem Weg zum Zwischenhalt kreuzen wir eine mehrspurige Pinguine-Autobahn. Selbstverständlich haben die Pinguine hier immer Vorfahrt. Zwei Crewmitglieder spielen gewissenhaft Ampel. Die Pinguine watscheln beim Weg nach unten mit einer beachtlichen Geschwindigkeit. Sie rutschen hier nicht auf dem Bauch, weil der Abhang zu steil ist und es unten keine Auslaufzone gibt, sondern nur Felsen. Das wäre dann eine recht schmerzhafte Bremsung. Aber so schnell und behend wie sie nach unten watscheln, so langsam und gequält wandern sie nach oben. Und dann schweift der Blick auf die nebenan bergwandernden Mitreisenden. Deren Gang beim Bergaufwandern sieht dem der Vögel gar nicht so unähnlich :-) Wir erreichen eine kleine Schneeebene mit einem phänomenalen Blick auf die Abbruchkante des Gletschers.

Links neben dem Anlandepunkt liegt eine Felsformation mit einer großen Kolonie von Eselspinguinen. Dahinter sieht man einen gewaltigen Gletscher, der steil zum Meer abfällt und mit einer großen Abbruchkante endet.

Dann machen wir uns auf zur zweiten Etappe des Aufstiegs. Es geht in einem weiten Bogen auf eine circa 150 m hohe unbedeckte Felsformation. Der Aufstieg wird zusehends anstrengender und angesichts der hier üblichen mehrschichtigen und wasserdichten Bekleidung schwitzen alle fürchterlich. Der Blick von oben über die gesamte Lagune ist fantastisch. Es ist zwar immer noch dicht bewölkt, aber die Sonne kommt vereinzelt hervor und beleuchtet immer wieder wechselnde Teile der Landschaft. Es ist super. Während wir weiterklettern, hören wir plötzlich laute Knackgeräusche und dann ein Rauschen. Ein Teil der für uns verdeckten Abbruchkante ist losgebrochen und ins Meer gestürzt. Wir sehen den dabei entstandenen Tsunami in die Bucht hineinlaufen. Schließlich kommen wir oben auf der Felsformation an, die als Aussichtsplattform dient. Auch wenn die Bewölkung des Himmels inzwischen wieder zugenommen hat, ist der Rundumblick überwältigend.

Wir machen uns auf zu einer kleinen Bergwanderung entlang ausgewiesener Schneewege rechts unseres Anlandepunkts. Die Gegend ist aufgrund von verdeckten Gletscherspalten nicht ungefährlich. Auf unserem Weg zum Zwischenhalt kreuzen wir eine mehrspurige Pinguine-Autobahn.

Erwartungsgemäß verläuft der Abstieg wesentlich weniger anstrengend. Dennoch brechen wir hin und wieder mit unseren Stiefeln in ein Schneeloch ein und müssen uns dann kräftezehrend wieder heraushieven. Auf dem Weg nach unten sehen wir eine faule Fellrobbe herumliegen. Ganz wenige Adélie-Pinguine (komplett schwarzer Kopf) ruhen sich am Rand der Kolonie aus. Als wir schließlich wieder am Anlandepunkt ankommen, sind wir vollkommen durchgeschwitzt. Auf der Zodiacfahrt zurück zum Schiff sehen wir in einiger Entfernung Zwergwale. Außerdem zwei Gruppen von schwimmenden Pinguinen, die zum Luftholen immer wieder aus dem Wasser hechten. Allerdings ist das Photographieren dieses Schauspiels noch zu schwierig. Aber noch haben wir Zeit.

Zurück auf dem Schiff müssen wir die Kleider komplett wechseln, weil wir wirklich bis auf die Knochen durchgeschwitzt sind.

 

 

Mittwoch, 23.02.2022
In der Nacht ist unser Schiff wieder in die eher eisbergarme Gerlach Straße gefahren und ist dort dann wieder gekreuzt. Am frühen Vormittag kommen wir in der Paradise Bay an. Sie ist durch die umliegenden Gebirge gut vor den gewaltigen Unwettern der Drake Passage abgeschirmt. Die Außentemperatur in der Bucht beträgt 3 °C, die Wassertemperatur 2 °C. Der Luftdruck ist auf 1010 hPa gestiegen, und es herrscht Windstärke 1. Die Luftfeuchtigkeit ist mit 85% relativ hoch.

Siedlung von Kormoranen

Wir machen uns auf zu einer morgendlichen Zodiacfahrt in der Bucht. Zunächst sieht es vom Schiff nicht besonders spektakulär, geschweige denn einladend aus. Kurz nach Abfahrt vom Schiff sehen wir eine Kolonie von Kormoranen, die an einer Steilwand brüten. Dann fahren wir mit dem Zodiac weit in die Bucht hinein. Ein riesiger, vielleicht 1 km breiter Gletscher kalbt hier regelmäßig in die Bucht. Und so ist die Dichte an Eisbergen und Eisschollen sehr hoch. Wir sehen zwei Seeleoparden an einer Eisscholle direkt vor uns im Wasser. Sie sind neugierig und bestaunen uns mehrfach mit ihren riesigen schwarzen Augen, tauchen aber unter, als wir ihnen zu nahe kommen. 

Seeleopard
Hier sehen wir unsere ersten Seeleoparden, gefährliche Raubtiere, die neben Krill und Fischen auch Pinguine und Robben erbeuten.

Panorama Paradise Bay

Jetzt, tief in der Bucht sind wir von den Anblicken doch überwältigt und können uns kaum genug satt sehen. Die Bewölkung nimmt etwas ab und stellenweise wird die Landschaft von der Sonne beschienen. Die Eisberge sind atemberaubend. So vielfältig, so schön und ihre Oberflächen erzählen spannende Geschichten über ihren Werdegang. Immer wieder können wir die am Ufer steil aufragenden Berge bis zu ihren Gipfeln sehen. Sie sind mit gewaltigen meterdicken Eisfeldern und Gletschern bedeckt. Die Abbruchkanten sehen spektakulär und gefährlich aus. Wenn die Gletscher bis zum Wasser reichen, bilden die Abbruchkanten bizarre und wunderschöne Formationen: Höhlen, Spalten, Risse, Überhänge.

 

 

Unsere Mitreisenden in unserem Zodiac und wir können gar nicht genug von der Landschaft bekommen und bitten um eine Extrarunde. Die Kameras von uns Acht klicken ständig und laufen regelrecht heiß. Selbst unser Zodiacfahrer knipst fleißig mit. Wenn auf dieser gut einen Stunde langen Rundfahrt nur 1.000 Bilder entstanden sein sollten, würde mich das wirklich wundern.

 

Immer wieder sehen wir in den Strömen aus Eisbrocken, durch die wir mehrfach hindurchfahren, schwarzes Eis. Und weil wir uns in unseren Zodiacs ganz nahe der Wasseroberfläche befinden, können wir das Eis auch ganz genau betrachten und sogar untersuchen. Der Unterschied zwischen dem normalen weißen und dem schwarzen Eis ist aus der Nähe sehr deutlich zu erkennen. Das weiße Eis ist voll mit vielen kleinen Luftbläschen während das schwarze Eis frei von Luftbläschen, völlig klar und durchsichtig ist - ähnlich einem hochqualitativen Diamanten. Und diese Durchsichtigkeit lässt dieses Eis im fahlen Licht der Nacht vollkommen unsichtbar werden.

Manchmal hören wir ein mächtiges Knacken im Eis der umliegenden Gletscher. Dann haben plötzlich alle Zodiac-Insassen nur noch einen Gedanken und eine Hoffnung im Kopf. Nämlich, dass jetzt eine Kalbung stattfinden könnte. Der Abbruch eines Stücks des Gletschers ins Wasser. Man kann die hoffnungsvolle Erwartung bei den abenteuerlustigen und die entsetzt panische Erwartung der ängstlichen Mitreisenden in ihren Gesichtern regelrecht ablesen. Leider hatten wir bisher noch nicht das entsprechende Glück einen solchen Abbruch direkt zu beobachten.

Versorgungszodiac
Während wir in einem geschützten Bereich die oft blauen Eisberge bewundern, entdecken wir dort plötzlich ein Zodiac, in dem eifriges Personal eine Getränkebar eröffnet hat und gerne jedem Gast ein Glas alkoholisches oder auch nicht alkoholisches Getränk anbietet. Dies hebt die an sich schon prächtige Stimmung in unserem Zodiac noch weiter.


Gegen Mittag verlassen wir Paradise Bay wieder in Richtung unserer nächsten Station. Sie ist nur 24 Seemeilen entfernt. Diese kurze Fahrt durch eine fantastische Landschaft lässt kaum Zeit zum Ausruhen. Wir möchten möglichst nichts von der vorbeiziehenden Landschaft verpassen. Wir durchfahren den Lemaire Kanal zwischen Booth Island und Graham Land zum wohl südlichsten Punkt unserer Reise. Das Meer ist weiterhin ruhig und das Schiff gleitet sanft dahin. Wir sitzen auf unserem Balkon - dick eingepackt in unsere Parker - und photographieren am laufenden Band.

Lemaire-Kanal

Der Lemaire-Kanal gehört laut Literatur zu den landschaftlich beeindruckendsten Gebieten der Antarktis und bietet eine der spektakulärsten Schiffspassagen der Welt. Während unserer Durchfahrt gab es weder Sonnenschein, noch irgendeine brauchbare Sicht, so dass die Ausbeute an hervorragenden Bildern etwas schwächlich ausfiel.

Der erste Forscher, der dieses Gebiet erkundete und kartographierte, war 1898 der Belgier Adrien Gerlache de Gomery. Er gab dem Kanal den Namen seines Landsmannes und Afrikaforschers Charles Lemaire. 

Der Wasserweg ist 15 km lang, stellenweise nur wenige 100 m breit und trennt die Insel Booth von der Antarktischen Halbinsel. Mitten im Kanal schieben sich die schneebedeckten Flanken der bis zu 1000 m hoch aufragenden Berge immer näher ans Schiff heran, und Gletscher rahmen das Ufer mit ihren steil abbrechenden Eiswänden ein. Doch die Eis- und Felsmassen wirken nicht bedrohlich. Gegen Ende des Kanals im Süden rücken die Berge und Gletscher schließlich so nahe zusammen, dass eine Durchfahrt unmöglich erscheint. Doch das ist meist nur eine optische Täuschung. Nur selten haben Strömung und Wind Eisberge und Schollen zu einer unpassierbaren Barriere zusammengeschoben.   (zum Teil aus Wikipedia)

Es zieht eine Eisscholle vorbei, auf der sich zwei süße Weddellrobben herumfletzen. Erneut eine imposante Durchfahrt. Der Kanal hat eine Wassertiefe von 400 m und ist beidseitig von großen und sehr steilen Felsklippen umgeben. An unserer Backbordseite scheint einer der nahen Berge im Nebel durch. Er ist extrem steil und wahrscheinlich 1.000 bis 1.500 Meter hoch. Eine erste Ausbuchtung im Kanal auf Seite von Graham Land, das Teil der antarktischen Halbinsel ist, ist dicht mit Packeis gefüllt. Auf der ganzen Fahrt sehen wir eine Abbruchkante von Gletschern nach der anderen. Viele dieser Kanten sehen aus, als würden sie im nächsten Augenblick abbrechen. Wir fahren weiter in die steiler nach Süden führende Penola Straße, zwischen Hovgaard und Graham Land. Hier kommt eine zweite, dicht mit Packeis gefüllte Bucht. Der gewaltige Gletscher am anderen Ende der Bucht muss permanent Eis ins Meer kalben, um im antarktischen Sommer, bei relativ milden Temperaturen, eine solche Packeisdecke zu bilden.

 

Petermann Island

Die Petermann-Insel ist eine unbewohnte, 1.500 m x 720 m große Insel in der Antarktis. Sie liegt im Wilhelm-Archipel, südlich des Palmer-Archipels und nördlich der Argentinischen Inseln rund 1.600 Meter vor der Graham-Küste der Antarktischen Halbinsel. Die Insel wurde im Januar 1874 vom deutschen Walfänger Eduard Dallmann entdeckt und nach dem damals bekannten Geographen August Petermann (1822–1878) benannt, der sich für die Polarforschung einsetzte.

Die höchste Erhebung der etwa 1,5 km langen Insel erreicht 150 m. Die Insel ist nicht vollständig vergletschert, ihr nordwestlicher Teil besitzt jedoch eine kleine Eiskappe. Die Petermann-Insel befindet sich am südlichen Ende des engen, von hohen, scharfen Klippen gesäumten, landschaftlich reizvollen Lemaire-Kanals. Sie ist mit 65° 10' südlicher Breite und 64° 10' westlicher Länge der südlichste Punkt vieler Kreuzfahrten in die Antarktis, so auch unser südlichster Punkt der Reise.

Auf der Insel befinden sich Brutkolonien von Esels- und Adéliepinguinen. 2010/11 wurde außerdem ein Brutpaar des Zügelpinguins beobachtet. Weiterhin brüten hier Antarktis-Skuas, Buntfuß-Sturmschwalben, Weißgesicht-Scheidenschnäbel und Blauaugenscharben. Die gesamte Insel wird darum von BirdLife International als Important Bird Area ausgewiesen. An Robben gibt es Seeleoparden und Krabbenfresser. Die Vegetation ist kärglich und besteht aus Moosen und Flechten. Schneealgen sind oft weit verbreitet und geben den Schneefeldern eine rosafarbene Tönung. 

Jean-Baptiste Charcot überwinterte vom 3. Februar bis zum 26. November 1909 mit seinem Schiff Pourquoi-Pas? auf der Petermann-Insel in einer kleinen Bucht.   (zum Teil aus Wikipedia)

Unser Ziel für den zweiten Ausflug des Tages ist der Wilhelm Archipel, eine Gruppe vieler kleiner Inseln. Unser konkretes Ziel ist die kleine Peterman Insel auf 65° 10' südlicher Breite und 64° 10' westlicher Länge. Sie ist nur 1.500 mal 720 m² groß. Die Vorbereitungen und das Ausschiffen mit den Zodiacs ist den Mitreisenden und uns inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Kaum wird unsere Farbe aufgerufen, sind wir bereits im Stiefelraum und treffen die üblichen bekannten Gesichter unserer Farbgruppe. Wir landen wieder mit unseren Zodiacs an Land an. Die Insel ist fast vollständig mit Schnee und Eis bedeckt. Rechts der Anlandestelle gibt es eine Kolonie von Adélie-Pinguinen. Auch einige Blauaugenkormorane haben sich hier niedergelassen.

Ein Adélie-Pinguin hat hier hinter einer kleinen Felsbarriere offenbar Windschutz gesucht und gefunden.
Eine Gruppe von Eselspinguimen.

Plötzlich erscheint auf der kleinen Felsklippe vor uns ein eher junger Seebär und mandelt sich ordentlich auf. Zunächst scheucht er einige Pinguine umher und nimmt dann uns ins Visier. Aber so ganz geheuer sind wir ihm wohl nicht und so bleibt es bei typisch lautstarken Scheinangriffen. Als wir nicht zurückweichen, wird er unsicher und zögert. Bevor er sich letztendlich maulend davon macht.

Nach einer kurzen Wanderung zurück zum Anlandeplatz und in der anderen Richtung weiter über zwei Schneefelder erreichen wir einen höher gelegenen, schönen Aussichtspunkt. Von hier haben wir einen tollen Blick in die Bucht auf der anderen Inselseite. Hier parken eine ganze Kette von Eisbergen und versperren die Bucht zur See hin. Diese Riesen sind hier auf Grund aufgelaufen und werden wohl nicht mehr freikommen. Die Bucht ist daher auch als regelrechter Friedhof für Eisberge bekannt.

Wie jeden Abend folgt unserem Ausflug - entweder vor oder manchmal auch nach dem Abendessen - eine Vorbesprechung für die Ausflüge des folgenden Tages.

 

Donnerstag, 24.02.2022
Heute Nacht gab es für etwa sieben Stunden kräftigen Schneefall. Deswegen muss das Oberdeck des Schiffes erstmal von der Mannschaft vom vielen Schnee befreit werden. Die Wolkensituation während unserer Fahrt zu unserem ersten heutigen Zielort Orne Harbour sieht noch recht vielversprechend aus. Aber während unseres ausführlichen Frühstücks ziehen starke Wolken und Nebel auf. Unser Ziel ist eine Bucht an der Danco-Küste von Graham Land im Norden der Antarktischen Halbinsel. Am Zielort angekommen ist alles grau in grau, und irgendwie sind wir etwas enttäuscht. Aufgrund der hohen Wassertiefe von 200 m unter Kiel wird kein Anker herab gelassen, sondern das Schiff wieder manuell in Position gehalten. Die Außentemperatur beträgt nur 1 °C, die Wassertemperatur 0,1 °C. Der Luftdruck ist relativ konstant bei 986 hPa. Die Luftfeuchtigkeit ist mit 92% relativ hoch.

Wir besteigen trotzdem gegen halb neun das Zodiac, das uns zum Landepunkt bringt. Dort angekommen beginnt der Aufstieg über vielleicht zwei Kilometer auf den etwa 150 Meter hohen, vor uns liegenden Bergrücken. Der Zielort des Aufstiegs befindet sich auf 64° 38' 0" südlicher Breite und 62° 33' 0" westlicher Länge.

Bis auf wenige schnee- und eisfreie Stellen liegt hier etwa einen halben Meter hoch Schnee. Und das im antarktischen Spätsommer. Der Blick zurück in die Bucht und zum gegenüberliegenden bis ans Meer heranreichenden Gletscher ist beeindruckend. Obwohl kaum eine Stunde vergangen ist, hat sich das Wetter bereits wieder verändert und die Sonne spitzelt durch die Wolkendecke und beleuchtet nun wechselnde Stellen der Landschaft.

Der Aufstieg ist machbar. Oben angekommen werden wir mit einem phänomenalen Blick über den hinter dem Bergrücken liegenden Errera Kanal und die hinter uns liegende Orne Harbour Bucht belohnt. Im Errera Kanal schwimmen einige mächtige Eisberge, und wir erahnen Ausschnitte der uns gegenüberliegenden gewaltigen Bergkette im sich lichtenden Nebel. Aufgrund des starken Windes verändert sich die Wolkensituation ständig. So wird das Wolkenbild permanent weiter umgebaut. Nebel und Wolken geben immer öfters und immer größere Stücke der Berggipfel frei. Jetzt kommt auch immer mehr die Sonne zum Vorschein und beleuchtet ständig andere Berghänge, Buchten, einzelne Eisberge oder ganze Gebirgsketten. Es sind fantastische und unbeschreibliche Farb- und Lichtspiele in einer völlig vergletscherten, schroffen und kargen Berg- und Wasserwelt.

linker Bildausschnittrechter Bildausschnitt

Hier oben brüten auf den ganz wenigen schnee- und eisfreien Felsoberflächen Zügelpinguine. Unsere inzwischen dritte Pinguinart.

Zügelpinguine – gut erkennbar an den dünnen schwarzen Strich unter dem Auge.

 

Der Abstieg gestaltet sich harmlos. Unten angekommen tummeln sich immer noch zwei Seebären an einer kleinen Klippe und lassen sich mehr oder weniger friedlich photographieren. Zurück auf dem Zodiac und wieder auf dem Weg zu unserem Schiff sehen wir plötzlich im Hintergrund die vollständig beleuchtete und in hellen Gelbtönen beinahe strahlende Bergkette der Arctowski-Halbinsel. Gegenüber dem teilbewölkten Himmel eine grandiose Bildkomposition.

Ein Seebär begutachtet argwöhnisch die unbekannten blauen Besucher seines Territoriums.

Neumayer-Kanal

Der Neumayer-Kanal ist eine 2 bis 4 km breite und 26 km lange Seestraße zwischen den Inseln Anvers und Wiencke, die beide zum Palmerarchipel gehören. Er öffnet sich nach Norden zur Gerlachstraße und nach Süden zur Bismarckstraße.

Die Schiffspassage durch den Kanal dauert ungefähr 1½ Stunden und führt durch eine herrliche Landschaft. Während der Durchfahrt gleiten weite Gletscherfelder und Eisabbrüche ganz nah am Schiff vorbei. Die steilen Bergflanken ziehen sich bis 1.000 m hinauf, und wir konnten auch den höchsten Gipfel, den 2.761 m hohen Mount Français, in voller Höhe bewundern.

Der deutsche Kapitäm Dallmann sichtete den Neumayerkanal, dessen Gewässer er nach neuen Robbenfanggründen erkundete. Mit seinem Dampfschiff, der Grönland (heute noch in Bremerhaven zu besichtigen), hatte er gegenüber Segelschiffen einen großen Vorteil. Es war viel wendiger und konnte auch in enge Wasserstraßen und Inselarchipele vordringen.

Später nannte der Belgier Gerlache de Gomery den Kanal nach einem Deutschen, dem Geophysiker Georg von Neumayer. Obgleich dieser selbst nie in der Antarktis war, zählte er im 19. Jahrhundert zu den weltweit wichtigsten Personen für ein wissenschaftliches Engagement auf diesem Kontinent.   (zum Teil aus Wikipedia)

Wieder auf Fahrt überqueren wir die Gerlach Straße und fahren schließlich den Neumayer-Kanal in südöstlicher Richtung entlang. Er ist eine zwei bis vier Kilometer breite und 30 km lange Seestraße im Palmer-Archipel vor der Antarktischen Halbinsel, die die Anvers-Insel von den Wiencke- und Doumer-Inseln trennt. Die Passage führt durch eine der schönsten Landschaften der antarktischen Halbinsel. Wir haben unsagbares Glück. Die Bewölkung ist deutlich aufgelockert, und so kommt vielerorts die Sonne hervor und sorgt für atemberaubende Lichtspiele. Die Außentemperatur beträgt 2 °C, die Wassertemperatur 1 °C, es geht ein leichter Wind, und der Luftdruck ist weiterhin recht konstant bei 982 hPa.

Während der Durchfahrt gleiten weite Gletscherfelder und Eisabbrüche ganz nahe vorbei. Die steilen Bergflanken ziehen sich bis 1.000 m hinauf und die höchsten Gipfel der Anvers-Insel erreichen mit dem Mount Francais 2.821 m und dem Mount Agamemnon 2.572 m. An den Felswänden sind blau-grüne Flecken zu erkennen, bei denen es sich um Malachit und Azurit handelt, ein Hinweis auf den hohen Kupfergehalt des Gesteins. Zeitweise spiegelt sich die Sonne in den kleinen Wellen im Meer und glitzert. Wir legen die 56 nautischen Meilen bis zur Dorian Bay mit 10 Knoten zurück.

Trollbrot
Trollbrot.

Wir erreichen Dorian Bay und ankern bei einer Wassertiefe von 55 m. Hurra! Corona-Schnelltests für ALLE. Die zweite Ausbootung des Tages bringt uns hinüber zur Wiencke-Insel. Dort wandern wir bei sonnigem Wetter zwischen drei kleinen, kaum noch besetzten Kolonien von Eselspinguinen. Die Tiere sitzen überwiegend auf den schneefreien dunklen Felsen oder watscheln putzig in den Schneefeldern herum. Bei den noch hier befindlichen Tieren handelt es sich wohl überwiegend um Nachzügler, weil der Beginn der Brutsaison dieses Jahr durch starke Schneefälle behindert worden war. Wir sehen neben den erwachsenen Pinguinen auch noch große Pinguinküken. Einige der älteren Tiere befinden sich in der Mauser und verlieren ihr Federkleid. Viele aus dem Schnee herausstehende Felsen sind durch Eis und Kälte gesprengt worden und zeigen unterschiedliche Risse. Einigen Felsen wurden dabei wie ein Leib Brot in schmale Scheiben gesprengt, eine solche Formation nennt sich dann aufgrund der Größe Trollbrot.

Dorian Bay

Die Dorian Bay ist eine Bucht an der nordwestlichen Küste der Wiencke-Insel im Palmer-Archipel vor der Westküste der Antarktischen Halbinsel. Teilnehmer der Vierten Französischen Antarktisexpedition (1903–1905) unter der Leitung des Polarforschers Jean-Baptiste Charcot entdeckten sie. Charcot benannte sie nach dem mit ihm befreundeten und entfernt verwandten französischen Politiker Paul François Marc Antoine Ménard-Dorian (1846–1907), einem Abgeordneten der Chambre des députés.   (aus Wikipedia)

Wir kehren wieder zurück aufs Schiff. Im Observation Deck bekommen wir noch Tee und Kuchen. Danach hebt das Schiff den Anker, und wir verlassen die Gegend der antarktischen Halbinsel und nehmen Kurs in Richtung der südlichen Shetlandinseln.

 

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