Freitag, 04.03.2022
Die Nacht verlief leider erneut sehr unruhig, denn das Schiff schwankte ganz erheblich. Schlafen funktionierte kaum.
Heute ist der erste Tag unserer 1.508 Seemeilen langen Heimreise, ein kompletter Tag auf See. Das Schiff fährt mit durchschnittlich 13 bis 14 Knoten auf nordwestlichem Kurs. Die Außentemperatur beträgt 5 °C, die Wassertemperatur ebenfalls. Der Luftdruck ist weiterhin relativ konstant bei 1009 hPa. Das Wetter ist stürmisch, und der Himmel ist bedeckt. Die Windstärke beträgt 6 bis 7 und der Seegang ist recht heftig mit einigen weißen Schaumkronen.
Im Laufe des Tages hören wir wieder drei tolle Fachvorträge von unseren Experten. Zunächst über Albatrosse, Sturmvögel & Co, dann über "Die Geschichte der Falklandinseln" und schließlich noch den Reisebericht "Auf Mokassins zum Nordpol - ein eiskaltes Abenteuer". Immer wieder begeben wir uns an Deck oder auf unseren Balkon, um Wind und Wellen zu beobachten und zu photographieren. Immer wieder fallen uns Gruppen von Seevögeln auf, die gemächlich neben dem Schiff aber nur ganz knapp über der unruhigen Wasseroberfläche fliegen.
Erneut müssen für die Seevögel nachts die Außenlichter gelöscht und die Fenster verdunkelt werden.
Samstag, 05.03.2022
In der Nacht hatten wir einen Seegang mit 4 Meter hohen Wellen bei einer Windstärke von 8. Heute ist der zweite Tag unserer 1.508 Seemeilen langen Heimreise. Um 09:00 Uhr haben wir bereits 530 nautische Meilen geschafft. Das Schiff fährt mit durchschnittlich 13,5 Knoten auf nordöstlichem Kurs. Die Wassertiefe in dieser Gegend beträgt gewaltige 6.000 Meter. Die Außentemperatur liegt bei 11 °C, die Wassertemperatur bei 14 °C. Der Luftdruck ist weiterhin relativ konstant bei 1002 hPa. Die Windstärke beträgt 7, die Wellenhöhe 3,5 bis 4 Meter. Das Schiff schwankt erneut sehr stark. Es ist leicht bewölkt.
So sehr unser Schiff im Seegang auch schwankt, so sehr sind wir von den großen Wellen draußen fasziniert. Einige dieser Monster schätzen wir auf 8 Meter Höhe. Wir stehen auf unserem Balkon und beobachten, wie das Schiff eine Welle nach der anderen nimmt und dabei oft mächtige Wasserspritzer erzeugt. Diese Wasserfontänen werden weit vom Schiff weg geschleudert. Auf Steuerbordseite treffen hin und wieder solche Wellen und Spritzer sogar die oberen Fenster. Immer wieder kollidiert unsere Bugwelle mit den heranrollenden Wellen, und es entstehen mächtige Wasserberge mit viel weißer Gischt an ihrer Spitze. Besonders eindrucksvoll wird dieses Schauspiel, wenn die Sonne hervorkommt.
Unserem Schiff folgen viele kleine Seevögel. Wir vermuten, es sind Seeschwalben. Sie fliegen in der Regel in kleinen bis mittelgroßen Gruppen sehr knapp über der Wasseroberfläche. Hin und wieder sehen wir auch einen großen Sturmvogel.
Dann taucht am frühen Nachmittag eine gewaltige Sturmfront am Horizont auf und zieht sehr schnell zu uns herüber. Wir fahren mitten rein. Es beginnt stark zu regnen, und der Wind frischt erheblich auf. Der Wellengang verstärkt sich etwas. Aber nach gut einer Stunde haben wir das Gebiet durchfahren, und die Zelle ist weitergezogen. Die Sonne strahlt wieder vom Himmel, der Wind hat nachgelassen, und die See hat sich wieder etwas beruhigt. Nach kurzer Zeit ist keine Wolke mehr am Himmel zu sehen.
Wieder sehen wir viele Seevögel, die unserem Schiff folgen. Dann erscheint ein Albatros. Genauer ein Wanderalbatros. Er hat eine erstaunliche Flügelspannweite. Während wir ihn an unserem Schiff vorbeigleiten sehen, mit dem permanenten Auf- und Absteigen, bewegt er kein einziges Mal seine Flügel. Angesichts der turbulenten Wasseroberfläche eine wirklich erstaunliche Flugleistung.
Später am Tag verfolgen wir den Fachvortrag "Wale des Südpolarmeeres" über die vielen verschiedenen Walarten, die es in der antarktischen Region gibt. Um 18 Uhr treffen wir uns wieder mit den beiden älteren Damen, um eine weitere Flasche Champagner zu trinken. Heute Abend veranstalten die Küchencrews ein abendliches Barbecue am Pool Deck auf Deck 8. Auch der Kapitän und die Mannschaft sind eingeladen.
Sonntag, 06.03.2022
Heute ist der dritte Tag unserer langen Heimreise nach Montevideo in Uruguay. Um 09:00 Uhr haben wir 841 nautische Meilen geschafft. Das Schiff fährt weiterhin mit durchschnittlich 14 Knoten auf nordwestlichem Kurs. Die Außentemperatur beträgt 19 °C, die Wassertemperatur bereits 17 °C. Der Luftdruck ist weiterhin relativ stabil bei 1012 hPa. Die Windstärke beträgt 5, in Böen 6, die Wellenhöhe 3 Meter. Das Schiff schwankt nur noch in geringem Umfang. Am Morgen hat es blauen Himmel, der allerdings im Laufe des Tages immer wieder zuzieht.
Am Vormittag hält unsere Biologin einen spannenden Vortrag zur Einführung in die Meeresökologie und am Nachmittag unsere zweite Biologin einen interessanten Vortrag über Menschen und die Seevögel des Südpolarmeeres.
Nach dem Abendessen treffen wir uns noch mit einem sehr netten, afrikabegeisterten Ehepaar aus Norddeutschland zum Plausch bei einer Flasche Champagner. Heute Nacht um drei Uhr wird die Uhrzeit wieder eine Stunde zurückgestellt, um unsere Rückfahrt nach Westen und dem notwendigen Wechsel der Zeitzone Rechnung zu tragen.
Montag, 07.03.2022
Heute ist der vierte und letzte Tag unserer langen Rückfahrt nach Montevideo in Uruguay. Um 09:00 Uhr haben wir bereits 1.197 nautische Meilen geschafft. 259 nautische Meilen liegen noch vor uns. Das Schiff fährt weiterhin mit durchschnittlich 14 Knoten auf nordwestlichem Kurs. Die Wassertiefe an unserer jetzigen Position beträgt 2.800 Meter. Die Außentemperatur liegt bei 21 °C, die Wassertemperatur schon wieder bei 20 °C. Der Luftdruck ist etwas auf 1009 hPa abgefallen. Die Windstärke beträgt 6, in Böen 7, die Wellenhöhe allerdings nur 1 Meter. Das Schiff schwankt kaum noch. In den Morgenstunden hat sich ein lokales Tiefdruckgebiet gebildet und schlechtes Wetter ist aufgezogen. Laut Wetterbericht soll das bis heute Abend so bleiben und erst dann wieder aufklaren.
Am Mittag veranstaltet die Mannschaft im Auftrag und Namen des Kapitäns eine Farewell Party für alle Gäste wie uns, die morgen das Schiff in Montevideo verlassen werden. Daher gibt es am Nachmittag erneut einen obligatorischen Antigentest. Und außerdem ist Kofferpacken angesagt, unsere liebste Tätigkeit auf Reisen. Unsere Koffer müssen wir morgen schon um 5 Uhr in der Früh für den Abtransport zum Flughafen vor unsere Zimmer stellen.
Dienstag, 08.03.2022
Ankunft früh morgens in Montevideo. Beim Verlassen des Schiffes werden wir nochmal von der Mannschaft im Spalier empfangen, und an der Schiffsluke am Landungssteg steht sogar der Kapitän, um uns zu verabschieden. Wir werden mit dem Bus zum Flughafen gebracht. Aber nicht ohne eine circa zweistündige Stadtbesichtigung durch Montevideo zu unternehmen. Am bauwerklich tollen Flughafen angekommen beginnt das große afrikaeske Chaos. Die Behördencomputer sind ausgefallen, weswegen wir gebeten werden, die alten spanischen Ausreiseformulare auszufüllen. Schon verfallen einige Mitreisende in Panik. Am Check-in dann die Abfrage der ganzen verschiedenen Dokumente zur Einreise in Argentinien, zu Covid-Testung und Impfung, Reisekrankenversicherung und so weiter. Der Sicherheitscheck ist heute besonders gründlich, sogar die Schuhe müssen wir ausziehen. Nach erfolgreicher Ausreise aus Uruguay beginnt das große Rätseln. Es ist noch kein Abfluggate angegeben. Wieder Panik in manchen Gesichtern. Obwohl der Flughafen gerade einmal über acht Gates verfügt, die alle in einer Entfernung von maximal fünf Gehminuten liegen. Schließlich wird der Flug für Gate 5 aufgerufen und das Boarding kann beginnen. Wir betreten als erste das Flugzeug - hatte ich bisher auch noch nicht erlebt. Der Flug über die große Mündung des Rio de la Plata nach Buenos Aires dauert nur 30 Minuten. Eigentlich hätten wir die Strecke durch die relativ seichte Bucht beziehungsweise Mündung gerne expeditionsartiger mit einem Boot oder Schlauchboot statt dem Flugzeug gemacht.
Nach Ankunft am Flughafen von Buenos Aires beginnt dann eine interessante Prozedur. Zunächst die Einreise nach Argentinien mit all den erforderlichen Dokumenten, dann der Zoll, nun erfolgt die Gepäckentgegennahme vom Gepäckband und erneut der Zoll mit Röntgen unseres Gepäcks. Schließlich verlassen wir das Flughafengebäude, nur um es zwei Türen weiter erneut zu betreten und den regulären Check-in Vorgang zu durchlaufen. Dann erfolgt eine erneute Sicherheitskontrolle und wieder die Ausreise aus Argentinien mit all den notwendigen Dokumenten. Nun warten wir beinahe ewige drei Stunden, bis wir am Abend endlich unser Flugzeug nach Frankfurt boarden dürfen. Leider wird es aufgrund von zum Teil heftigen Turbulenzen ein sehr unruhiger 13-stündiger Flug.
Mittwoch, 09.03.2022
Wir sind gut in Frankfurt angekommen. Es ist noch immer ein hässlicher Flughafen. Und das Chaos durch kurzfristig eingeführte, aber wenig durchdachte Führungen von Warteschlangen in Folge von Corona-Maßnahmen ist noch immer da. Wir beeilen uns, die Abfertigung schnell zu erledigen, um den Flughafen so bald wie möglich in Richtung Fernbahnhof verlassen zu können. Und tatsächlich haben wir es geschafft. Allerdings nur um festzustellen, dass unser Zug mit dreißig Minuten Verspätung ankommt. Aber auch alle alternativen Zugverbindungen an diesem Tag haben deutliche Verspätungen. Genau das erwartet man ja als Reisender, wenn man in ein Hightech Land wie Deutschland kommt.
Nach einer dreistündigen Fahrt mit dem ICE kommen wir am Nachmittag gesund, aber sehr müde in Augsburg an. Aber was ist das? Die Türen des ICEs lassen sich nicht öffnen. Die Türen nebenan sind von vornherein mit einem Defektschild abgesperrt. Dann kommt zum Glück eine Schaffnerin und öffnet die Türe, geht hinaus und während sie noch in der Türe ist, beginnt diese sich wieder zu schließen. Und wir können die Türe nicht mehr öffnen. Drei andere Fahrgäste und wir laufen eilends durch den ganzen Wagen, um am anderen Ende auszusteigen. Aber oh weh, der Zug fährt bereits los. Wir sind eingesperrt. Als die Schaffnerin dann zufällig vorbeikommt, müssen wir leider feststellen, dass sie absolut nichts unternommen hat, uns aussteigen zu lassen, obwohl sie die Situation durchaus erfasst hatte. Stattdessen erklärt sie uns, wir hätten die Technik nicht verstanden und seien selbst Schuld. Nur widerwillig stellt sie uns die nötigen Fahrscheine für die Rückfahrt nach Augsburg aus. Wir fahren also bis München-Pasing und nehmen den nächsten Zug zurück nach Augsburg. Hightech Land eben.
Als wir endlich nach über 30 Stunden daheim ankommen, beginnt der zweite große Abschnitt dieser Reise - nämlich die Nacharbeit in Form des Aussortierens der geschossenen Photos. Aufgrund der vielen Serienaufnahmen mit Tieren sind es knapp 10.000 geworden.
Nachtrag: Am Tag unserer Heimkehr springt uns eine Meldung in den Nachrichten ins Auge. Am 05. März 2022 war im Weddellmeer das Wrack der Endurance gefunden worden, eine Woche nachdem wir nur 570 km nördlich davon im Weddellmeer gekreuzt sind. Jenes legendäre Schiff von Sir Ernest Shackleton von seiner Imperial Trans-Antarctic Expedition. Aus den historischen Aufzeichnungen wusste man, dass das Schiff bei 68° 39' 30" südlicher Breite und 52° 26' 30" westlicher Länge gesunken sein musste. Nach den Regeln des Antarktisvertrages war und ist das Wrack als Historische Stätte ein geschütztes Gebiet, das nicht angetastet werden darf. Das Wrack liegt in 3.008 m Tiefe und 7,7 km von der aufgezeichneten Position entfernt. Aufnahmen der Tauchroboter zeigen das Wrack aufrecht stehend in hervorragendem Zustand.
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